Warum können geflüchtete Menschen nicht einfach in WGs leben statt in Massenunterkünften? Aus dieser Idee ist die bundesweite Plattform Flüchtlinge Willkommen geworden, die geflüchtete Menschen in WGs und Familien vermittelt. Wie es ist, ein Social Start-up zu leiten und wie das Zusammenleben mit ihrem Mitbewohner funktioniert hat, erzählte Gründungsmitglied Mareike Geiling den Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe K0, K+ und K1 bis K2 sowie Lehrern und Gästen am Montagabend.

 

Wie finden WGs und geflüchtete Menschen zusammen? Nehmen nur Deutsche Flüchtlinge auf - und wie oft scheitert das Zusammenleben? Die Zusammenführung der künftigen Mitbewohner erfolgt über die Homepage der Organisation, bei der sich Geflüchtete und WGs anmelden können. Wenn passende Paare gefunden werden, treffen sich diese zu einem ersten Kennenlernen. Mareike betont, dass das persönliche Treffen besonders wichtig ist, um für beide Seiten eine ausgewogene Informationslage zu schaffen: passen die Menschen zusammen und können sie sich ein gemeinsames Zusammenleben vorstellen? Mitarbeiter von Flüchtlinge Willkommen moderieren das Gespräch und beraten Vermieter und Geflüchteten. Ist die Finanzierung geklärt und beide sagen „ja“, kann der Flüchtling einziehen. Im Vordergrund steht dabei das Zusammenleben der Geflüchteten mit den Bewohnern - es werden keine leeren Wohnungen vermittelt. Durch die intensive Beratung und Recherche von Seiten der Organisation liegt die Abbruchrate des Zusammenlebens bei 0,5 %.

 

Wie kann man sich das Zusammenleben mit einem Flüchtling vorstellen und was macht der eigentlich den ganzen Tag? Dazu berichtet Mareike von ihrer eigenen Erfahrung mit einem Flüchtling in ihrer WG: 2014 nahmen ihr Mitbewohner und sie Bakary, der aus Mali über Italien nach Deutschland kam, in ihrer WG auf. Die Finanzierung erfolgte über Mikrospenden von Freunden. Mareike erzählt, dass Bakary ebenso viel Mut aufbringen musste wie ihre WG, sich zum Zusammenleben zu entscheiden. Schmunzelnd schildert sie weiter, dass ihr Mitbewohner durch Deutschkurse und Behördentermine fast seltener zuhause anzutreffen war als sie selbst. Mittlerweile lebt Bakary in Süddeutschland, hat einen Job gefunden und ist anerkannter Staatsbürger der EU. Ähnlich wie Bakary hat Flüchtlinge Willkommen seit der der Gründung 2014 bereits hunderte Geflüchtete vermittelt, die Idee wird mittlerweile in 11 weiteren Ländern umgesetzt.

 

Wollen sich die Flüchtlinge überhaupt integrieren? Wie geht man mit kulturell bedingten Unterschieden um, die das Zusammenleben nachhaltig beeinträchtigen können? Und ist dieser Ansatz angesichts der vielen Menschen auf der Flucht nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die Schüler bringen eigene, zum Teil negativ behaftete Erlebnisse mit geflüchteten Menschen und damit auch die Frage nach dem Umgang mit Kriminalität bei Geflüchteten in die Diskussion mit ein. Hier betont Mareike, dass sie im Rahmen von Flüchtlinge Willkommen keine Erfahrungen mit Kriminalitätsfällen  bei Flüchtlingen gemacht hat. Wichtig sei, primär den Menschen und nicht seinen Status wahrzunehmen. Sie verweist auch darauf, dass der von Flüchtlinge Willkommen eingeschlagene Weg kein Mittel ist, mit geflüchteten Menschenmassen umzugehen - auch der kleine Beitrag leistet indes eine anspruchsvolle und qualitative Unterstützung bei der Integration. 

Am Ende des Vortrags ist klar: Es gibt noch viel zu tun. Mareike gibt den Schülern den Rat mit: Wenn ihr eine Idee für ein Social Startup habt - macht einfach!