Eine starke Gemeinschaft braucht Werte und Maßstäbe, an denen sie sich orientieren kann. Getragen von dieser Idee haben Schüler, Lehrer, Mentoren und das Leitungsteam in einem einjährigen Diskussionsprozess dieses Leitbild entwickelt, das Maßstab für unser Handeln ist.

I. Präambel


Das private Kurpfalz-Internat wurde im Jahr 1961 mit der Idee gegründet, Schülerinnen und Schülern, die sich in einer kritischen Phase ihrer Schullaufbahn befinden, aus der Krise zu helfen und ihnen das Vertrauen in ihr Leistungsvermögen zurückzugeben. In einer starken Gemeinschaft sollen sie den Schulabschluss erwerben, auf das Leben vorbereitet werden und eine gute Basis für ihre berufliche Zukunft legen.
Grundlage für den Erfolg dieser Idee ist eine lebendige und aktive Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, in der man gerne lebt, lehrt und lernt. In ihr sollen Achtung und Vertrauen genügend Raum haben, sie soll Strukturen bieten und gleichzeitig die Freiheit geben, die eigene Persönlichkeit zu entfalten.
Getragen von dieser Idee haben Schüler, Lehrer, Mentoren und das Leitungsteam in einem einjährigen Diskussionsprozess dieses Leitbild entwickelt, das Maßstab für unser Handeln sein soll. 
Damit unser künftiges Leitbild auch unter sich wandelnden Bedingungen bestehen kann, haben wir uns auf ein tragfähiges Fundament gemeinsamer Werte verständigt und eine Vision für die Zukunft des Kurpfalz-Internats entwickelt.

II. Vision und Werte

 

Soziales Lernen

Wir glauben, dass persönliche Entwicklung nur gelingen kann, wenn der Einzelne in ein soziales Gefüge eingebunden ist, in dem er Wertschätzung und Achtung, Respekt und Akzeptanz erfährt, die er dann seinerseits auch anderen entgegenbringt.
 

Orientierung an Stärken 

Wir wollen das Potenzial eines jeden zur Entfaltung bringen und lenken unseren Blick auf seine individuellen Fähigkeiten und Stärken. So fördern wir seine Selbstachtung, seine Leistungsbereitschaft und seine Freude am Erfolg.
 

Vertrauen, Offenheit, Selbstverantwortung

Wir sind zuversichtlich, dass in einem Klima gegenseitigen Vertrauens und persönlicher Offenheit die Fähigkeit des Einzelnen wächst, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen.
 

Beziehungsgestaltung in der Gemeinschaft

Voraussetzung dafür ist, dass wir uns gegenseitig achten und aufeinander Rücksicht nehmen, damit unsere Beziehungen als verlässlich erlebt werden. Wer die Solidarität der Gemeinschaft erfährt, ist nach unserer Überzeugung eher bereit, auch seinerseits anderen gegenüber Toleranz zu üben. Das ist unser erklärtes Ziel!
 

Gegenseitiges Verständnis und Konfliktkultur

Wir unterstützen jeden, seine eigenen Ziele zu finden und selbstbewusst für sie einzustehen, fordern aber auch Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere. Konflikte sehen wir als Bestandteil unserer Gemeinschaft. Aus dem verantwortungsvollen Umgang mit ihnen lernen wir, mit Fairness und Respekt tragfähige Lösungen zu finden.

Regeln in der Gemeinschaft

Aus diesen Visionen und Werten ergeben sich für unser gemeinsames Leben und Arbeiten Regeln, deren Akzeptanz Grundlage für unsere Gemeinschaft ist. Wir verpflichten uns, anderen gegenüber gerecht zu sein und Entscheidungen transparent zu gestalten. Wir wahren die persönliche Freiheit des Einzelnen und akzeptieren ihre Grenze zum Wohl unserer Gemeinschaft.
 

III.     Erziehung durch Beziehung: Einheit von Bildung und Erziehung

 

Befähigung zu lebenslangem Lernen

Als Schule sehen wir unseren Auftrag darin, unseren Schülerinnen und Schülern eine fundierte Allgemeinbildung zu vermitteln und sie zu lebenslangem Lernen zu befähigen. Wir möchten sie nicht nur zu einem erfolgreichen Schulabschluss führen, sondern verfolgen auch das Ziel, sie als mündige Mitglieder der Gesellschaft ins Leben zu entlassen.
Wir achten darauf, dass sie im Unterricht kritisches Hinterfragen und selbstständiges Denken lernen, dass sie ihre Kreativität entwickeln können, ihre individuellen Stärken entdecken und ihre Schwächen meistern. Auf dem Weg dazu holen wir sie dort ab, wo sie stehen!
 

Individuelle Förderung

Durch die Begrenzung der Klassengröße auf acht Schülerinnen und Schüler stellen wir sicher, dass jeder Einzelne mit seinen individuellen Stärken und Schwächen wahrgenommen wird.
Unser Ziel ist es, jeden Schüler zu fördern und zu fordern, ihm Hilfestellungen zu geben und bei Bedarf zusätzlich Förderkurse und Einzelunterricht anzubieten. Begleitend bieten wir ihnen durch Berufsberatung, Praktika und berufsvorbereitende Seminare die Grundlage für eine qualifizierte Studien- und Berufswahl.

Ganzheitlicher Erziehungsansatz

Als Internat ist es unser Ziel, die persönliche Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Schulbetriebs zu fördern.

Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Erziehungsansatz, der unseren Schülerinnen und Schülern helfen soll, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entdecken, ihr Leben zu gestalten und sich selbst weiterzuentwickeln.
 

Erziehung zu Autonomie

Am Kurpfalz-Internat möchten wir Schülerinnen und Schüler unterstützen,

  • eigenständige Persönlichkeiten zu werden; selbstbewusst und selbstsicher zu handeln; eigenverantwortlich zu entscheiden; 
  • ihrer Umwelt und der Welt im Allgemeinen mit Neugier zu begegnen.

Soziale Kompetenz

Deshalb fördern wir den Erwerb sozialer Kompetenz und befähigen unsere Schülerinnen und Schüler,

  • sich selbst wahrnehmen zu können; den anderen als eigenständige Person zu sehen und zu respektieren; 
  • in Konfliktsituationen tolerant zu reagieren, Kompromisse einzugehen, aber auch mit Nachdruck für die eigene Sache zu stehen; 
  • sich für den anderen und die Gemeinschaft einzusetzen; ein Team bilden zu können sowie zu erkennen, dass es weniger privilegierte Menschen gibt, die ihrer Hilfe bedürfen.


Fit für das 21. Jahrhundert

Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern eine Erziehung bieten, die es ihnen ermöglicht,

  • sich den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft zu stellen; Flexibilität, Eigenständigkeit und Teamgeist zu zeigen; kompetent im Umgang mit Medien zu sein;
  • gesundheits- und umweltbewusst zu handeln. 

Gemeinsam wollen wir mit unseren Schülern an diesen Herausforderungen arbeiten und daran wachsen.

IV.        Unsere Erwartungen

 

Im Kurpfalz-Internat bilden die Lernenden und Lehrenden eine aktive, lebendige Gemeinschaft. Wir alle übernehmen Verantwortung und bemühen uns stets darum, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und die an uns gestellten Erwartungen zu erfüllen.
Im Rahmen unseres Leitbildprozesses haben wir diese Erwartungen an uns als Schüler, Lehrer, Mentoren und als Leitungsteam miteinander besprochen und definiert. Mit der Umsetzung dieses Leitbilds wollen wir die Erwartungen nachvollziehbar und für alle lebbar machen.
 

Erwartungen an unsere Schülerinnen und Schüler

Im Kurpfalz-Internat möchten wir Schülerinnen und Schüler aufnehmen, die gerne zu uns kommen und bereit sind, die Unterstützung anzunehmen, die wir ihnen bieten. 
Von ihnen erwarten wir, dass sie sich für die gesetzten Ziele engagieren, mit ihren Mitschülern, Lehrern, Mentoren und dem Leitungsteam zusammenarbeiten und die Chance dazu nutzen, die sich durch die individuelle Betreuung bietet. Sie übernehmen Verantwortung für ihre persönliche Zukunft und lernen eigenständig zu arbeiten.
Als Teil der Internatsgemeinschaft handeln unsere Schülerinnen und Schüler in Schule und Internat verantwortungsbewusst, nehmen am Schulleben aktiv teil und betrachten das Kurpfalz-Internat als ihre Schule. Sie erhalten Rechte, die ihnen Freiheiten gewähren, und übernehmen Pflichten, die sie Ernst nehmen.
Wir erwarten von unseren Schülerinnen und Schülern, dass sie einen ehrlichen Umgang untereinander und mit anderen pflegen, sich auf andere einlassen und die Bereitschaft zeigen, sich zu verantwortungsbewussten Menschen zu entwickeln. Ihr Erwachsenwerden in der Gemeinschaft des Internats soll sie befähigen, Konflikte sachgerecht und kooperativ zu lösen und die Interessen anderer zu respektieren.
 

Erwartungen an unsere Lehrerinnen und Lehrer

Am Kurpfalz-Internat unterrichten Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Beruf als Berufung sehen. Diese positive Einstellung zu ihren Schülern und die hohe Motivation, die sie mitbringen, versetzen sie in die Lage, jeden Schüler in seinen Stärken und Schwächen individuell wahrzunehmen.
Jeder sieht es als seine Aufgabe, den einzelnen Schüler durch die Betonung seiner Stärken und Fortschritte individuell zu fördern und zu fordern. Sein Verhalten gegenüber dem Schüler ist dabei geprägt von Achtung, Respekt und Einfühlungsvermögen für dessen ganz persönliche Situation.
Gleichzeitig kennen unsere Lehrerinnen und Lehrer den Wert ihrer Arbeit für die persönliche Zukunft ihres Schülers. In ihren Beurteilungen zeigen sie Verbesserungsmöglichkeiten auf und würdigen die erkennbaren Fortschritte.
Die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden am Kurpfalz-Internat lebt vom besonderen Engagement seiner Lehrerinnen und Lehrer, das weit über den Rahmen des  Unterrichts hinausgeht.
Wir erwarten daher, dass unsere Lehrer sich in außerschulischen Projekten, bei Veranstaltungen oder im Internat engagieren. Ihnen sind die Kontakte zu ihren Schülern bei Festen, Internatsaktivitäten oder Fahrten wichtig, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, die Jugendlichen ganzheitlich wahrzunehmen.
Als Teil des Teams arbeiten unsere Lehrerinnen und Lehrer eng mit ihren Kollegen zusammen, nutzen regelmäßig die Chance sich fortzubilden, um ihren Unterricht mit hoher Qualität erteilen zu können.
Sie sind darüber hinaus bereit, ihren Schülerinnen und Schülern eine werteorientierte Erziehung mitzugeben. Als Kommunikationspartner der Mentoren stimmen sie sich mit diesen ab und geben Rückmeldung über die schulische Entwicklung der ihnen anvertrauten Jugendlichen.

Erwartungen an unsere Mentorinnen und Mentoren

Die Mentorinnen und Mentoren betreuen die Schülerinnen und Schüler als verantwortliche Partner im Internat. Sie beraten sie bei Problemen, sind ein vertrauensvoller Ansprechpartner und übernehmen die Erziehungsfunktion der Eltern im Internat. Wir erwarten von ihnen, dass sie Verständnis für den Einzelnen haben, ihn als Person mit Stärken und Schwächen wahrnehmen und bei der Umsetzung von Regeln konsequent im Interesse der Gemeinschaft und flexibel im Einzelfall sind. Der Schüler soll den Mentor als verlässlichen Partner erleben, dessen Interesse an ihm über das berufliche hinausgeht. Im Gegenzug soll der Schüler durch den Mentor die Hilfe erhalten, die er braucht, um sich im strukturierten Tagesablauf des Internats zurechtzufinden.

Von unseren Mentorinnen und Mentoren erwarten wir zudem, dass sie ihren Beruf als eine Berufung sehen, bereit sind, pädagogisch neue Wege zu gehen und ihre pädagogische Qualifikation durch regelmäßige Fortbildung zu stärken. Als Kommunikationspartner der Lehrerinnen und Lehrer haben die Mentoren Teil an der schulischen Entwicklung ihrer Mentoratsschüler und meldet den Lehrern Entwicklungen im Internat oder in der Familie zurück. Der Mentor vereinbart gemeinsam mit dem Schüler persönliche Ziele und gibt ihm Hilfestellung bei der Umsetzung und verbindet dies mit dem Bemühen, den Schüler zu befähigen, selbstständig zu werden und Verantwortung für seine persönliche Zukunft zu übernehmen.

Erwartungen an unser Leitungsteam

Von den Mitgliedern des Leitungsteams des Kurpfalz-Internats erwarten wir, dass sie die Arbeit aller am Prozess Beteiligten koordinieren, sie motivieren, ihr Bestes zu geben, und ihnen die nötigen Ressourcen für ein erfolgreiches Arbeiten zur Verfügung stellen.
Sie würdigen Mitarbeiter und Schüler für ihr Engagement, weisen - wo nötig - auf Fehlentwicklungen hin und zeigen Konsequenz bei der Umsetzung der pädagogischen Ziele von Schule und Internat.
Im Alltag gewähren sie genügend Entscheidungsspielräume, um die Initiativkräfte aller zu stärken, und geben klare Leitlinien, um den pädagogischen Rahmen für alle zu definieren. Im Bedarfsfall greift die Leitung vermittelnd ein und trägt dazu bei, den Konflikt sachgerecht zu lösen.
Als Teil der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden sind die Mitglieder des Leitungsteams am Schul- und Internatsleben unmittelbar beteiligt und nutzen schulische und außerschulische Begegnungen, um einen intensiven Kontakt mit Schülern, Mitarbeitern und Eltern zu pflegen.
Sie haben ein offenes Ohr für alle, für ihre Probleme und ihre Vorschläge, und sind stets bemüht, die Transparenz ihrer Entscheidungen zu gewährleisten sowie die Beteiligten in diese einzubinden bzw. sie zu informieren.
 

Erwartungen an die Eltern

Die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler sehen wir am Kurpfalz-Internat als Partner im Entwicklungsprozess.
Von ihnen erwarten wir, dass sie die für ihre Kinder am Kurpfalz-Internat geltenden Regeln akzeptieren und unterstützen und mit Schule und Internat vertrauensvoll zusammenarbeiten.
Begleitend zum Internatsbesuch unterstützen sie Schule und Internat, indem sie die Erfolge ihrer Kinder positiv würdigen und sie darin bestärken, die Unterstützung, die ihnen Lehrer, Mentoren und Leitung bieten, aktiv anzunehmen. Bei Misserfolgen helfen sie ihnen, Lösungswege zu finden.
Der intensive Informationsaustausch durch regelmäßige Beurteilungen, Elternsprechtage und persönliche Gespräche ist wichtiger Teil unseres kooperativen Erziehungskonzepts. Die Anteilnahme der Eltern an der Entwicklung ihrer Kinder ist für ihren schulischen und persönlichen Erfolg von entscheidender Bedeutung.

V.         Schlusswort

 

Alle Gruppierungen (Schüler, Lehrer, Mentoren und Leitung) des Kurpfalz-Internats waren am Prozess der Erstellung dieses Leitbilds beteiligt. Wir alle sehen es als unsere Aufgabe, in diesem Sinne zu handeln und das gemeinsam beschlossene Leitbild den sich künftig stellenden Herausforderungen anzupassen. 


Bammental, im November 2008