Der erste Schüler des Kurpfalz-Internats, Helge Lehmann, ist mittlerweile 77 Jahre alt. Seine Mutter, Erna Lehmann, hatte 1961 die Idee, eine eigene Schule zu eröffnen, um ihren Sohn individueller fördern zu können. Die verwitwete und alleinerziehende Mutter verfügte zwar über wenig Startkapital, dafür aber über einen starken Willen. Helge Lehmann drohte in der Schule zu scheitern, weil er in den großen Klassen nicht genug gefördert und motiviert wurde. Er beschäftigte sich lieber mit Elektronik statt mit Mathematik und Latein. Seine Mutter entschied, die schulische Ausbildung ihres Sohnes selbst in die Hand zu nehmen und eine eigene Schule mit Internat zu gründen. In angemieteten Räumen im Ort Gaiberg bei Heidelberg ging alles los. Ihr Konzept: individuelle Förderung, das Lernen lernen und klare Erziehungsgrundsätze.

Bei seiner Gründung 1961 war das Kurpfalz Internat („KPI“) eine private Ergänzungsschule für Jungen ab der neunten Klasse. Heute ist das Kurpfalz Internat eine staatlich anerkannte Internatsrealschule und ein staatlich anerkanntes Internatsgymnasium für Mädchen und Jungen ab der siebten Klasse. Die Zahl der SchülerInnen hat sich von einem Schüler auf 170 Schülerinnen und Schüler gesteigert.

Eine Wohnung in Gaiberg bildet den Grundstein der Erfolgsgeschichte

Mit Helge Lehmann starteten 1961 im frisch gegründeten Kurpfalz Internat zuerst drei und im Lauf des Jahres weitere zehn Jungen. Am Anfang wurden die „Jungs“ von Montag bis Freitag bis 18:00 Uhr von Lehrern unterrichtet, die auch noch an staatlichen Schulen arbeiteten. Der Samstagsunterricht ging bis 14:00 Uhr. Am Sonntag stand der Kirchenbesuch auf dem Stundenplan – ein Freizeitprogramm gab es in dem Sinne nicht. Die Gaststätte „Zur Germania“, die unter den Internatsräumen lag, versorgte die Schüler mit Essen. Erna Lehmann betreute die Internatsschüler persönlich und sorgte dafür, dass in der Freizeit die Hausaufgaben erledigt wurden.

1962 legten die ersten vier Schüler das Abitur am Hölderlin Gymnasium in Heidelberg in Form einer externen Prüfung ab. Helge Lehmann beendete seine Schullaufbahn erfolgreich mit dem externen Abitur an einem Gymnasium in Ladenburg. Erna Lehmann hatte ursprünglich geplant, die Internatsschule nach dem Schulabschluss ihres Sohnes wieder aufzugeben. Ihre Idee entwickelte sich aber immer mehr zum Erfolgsmodell und sie entschied sich, das Kurpfalz Internat weiter zu betreiben. Mit dieser Entscheidung legte Erna Lehmann den Grundstein für ein bis heute erfolgreiches Familienunternehmen.

Wachstum führt zu einem Umzug nach Bammental

1968 reichten die Kapazitäten in Gaiberg - mittlerweile hatte sich der Bedarf auf 46 Schülerplätze erhöht - nicht mehr aus. Erna Lehmann gelang es mithilfe der Heidelberger Volksbank, einen Teil des heutigen Internatsgeländes in Bammental zu erwerben. Sie bezog eine Wohnung in der alten Fabrikantenvilla auf dem Gelände und baute das erste Schul- und Internatsgebäude.

1969 wurde das Kurpfalz Internat für 80 Schüler am neuen Standort eröffnet. Das Kurpfalz Internat war zu diesem Zeitpunkt nach wie vor eine Internatsschule nur für Jungen. 1971 trat Helge Lehmann, nach seinem Psychologiestudium, in die Geschäftsführung mit ein. Gemeinsam bauten Mutter und Sohn 1977 den Sportplatz auf dem Schul- und Internatscampus. 1979 nahmen die Schüler des Kurpfalz Internats erstmalig auch an der staatlichen Realschulabschlussprüfung teil.

1982 wird aus der Jungenschule eine gemischte Internatsschule

Zehn Jahr nach seinem Eintritt in die Geschäftsführung übernahm der erste Schüler des Kurpfalz Internats, Helge Lehmann, die alleinige Verantwortung für das „KPI“. Seine Mutter ging in den Ruhestand. 1982 erwarb er das Torhaus und erhöhte dadurch die Internatskapazität auf 100 Plätze. Absolutes Novum: Es wurden jetzt auch Mädchen aufgenommen.

Helge Lehmann sagt selbst, dass seine Mutter sich mit der Aufnahme von Mädchen in ihrer aktiven Geschäftszeit schwergetan hat. „Sie befürchtete Verwicklungen und Ablenkungen“, beschreibt er ihre Bedenken. Deshalb war die Entscheidung für eine gemischte Internatsschule erst realisierbar, als er die alleinige Verantwortung für die Internatsschule übernommen hatte. Aus heutiger Sicht sicherlich ein wichtiger Meilenstein in der Schul- und Internatsgeschichte. Helge Lehmann kann ebenfalls auf eine erfolgreiche Führungsgeschichte zurückblicken: Das KPI wuchs weiter, er renovierte die bestehenden Gebäude, erweiterte den Campus und baute eine Kleinfeldsporthalle im Bammentaler Ortskern.

Sohn und Enkel der Schul- und Internatsgründerin bilden ein starkes Team

1992 trat die nächste Generation in die Geschäftsführung mit ein. Mario Lehmann leitete nach seinem Jurastudium gemeinsam mit seinem Vater das Kurpfalz Internat. Die „Lehmänner“ starteten in den neunziger Jahren richtig durch: 1994 eröffneten sie das Private Internatsgymnasium Schloss Torgelow in Torgelow am See. 2021 leben und lernen dort 260 SchülerInnen auf einem Campus nahe Waren an der Müritz.

Trotz des neuen Standorts wurde das Kurpfalz Internat ständig weiterentwickelt. 1997 wandelte das Vater-Sohn-Gespann ein großes Mietshaus in das Oberstufenhaus um. Dort entstanden 30 neue Plätze. Im Jahr 2000 kamen das Berghaus und die neue Mensa hinzu. Kurz nach dem fünfzigjährigen Bestehen des Kurpfalz Internats erwarben sie das benachbarte Hotel „Bammentaler Hof“, das zu einem Oberstufenhaus für Mädchen wurde. Das große Gelände bot zudem Platz für eine große Sporthalle, die in Kooperation mit der Gemeinede Bammental errichtet wurde.

Das KPI ist heute eine moderne Internatsschule unter Führung des Enkels der Gründerin

Nach über zehn gemeinsamen Jahren in der Geschäftsführung zog sich Helge Lehmann im Jahr 2008 aus dem operativen Geschäft zurück. Mario Lehmann leitet heute beide Internatsschulen gemeinsam mit seiner Frau Kirsten Lehmann.

Unter seiner Führung wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein für das Kurpfalz Internat realisiert: die staatliche Anerkennung der Internatsschule.

Seit 2015 legen die Schülerinnen und Schüler den Realschulabschluss und das Abitur als interne Prüfungen am Kurpfalz Internat ab. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu früher.

Im Kern sind Mario Lehmann und das ganze KPI-Team der Gründungsidee von Erna Lehmann treu geblieben: individuelle Förderung von SchülerInnen in sehr kleinen Klassen (max. 10 SchülerInnen), das Lernen lernen und ein klares Erziehungskonzept. Eine wesentliche Säule, die dazugekommen ist, ist das sehr umfangreiche außerschulische Projekt- und Freizeitprogramm mit über 60 Angeboten jede Woche.

Moderne trifft Tradition: Löwenstark durch die Corona-Krise

Heute sind Mario und Kirsten Lehmann verantwortlich für 170 Schülerinnen und Schüler und für über 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2019 haben „die Lehmanns“ mit dem Bau eines neuen Schulhauses sowie der kompletten Renovierung des alten Schulhauses und der Internatsgebäude das Kurpfalz Internat fit für die Zukunft gemacht - unter dem Leitmotiv „Moderne trifft Tradition“.

„Damals ahnten wir noch nicht, dass uns eine globale Pandemie noch einmal besonders fordern würde. Unsere großzügigen Klassenzimmer mit großen LED-Touch-Screens und unser digitales Kommunikations- und Internatsmanagementsystem haben sich in der Krise besonders bewährt“, fasst Mario Lehmann die vergangenen zwei Jahre zusammen. „Wir haben alle Klassenzimmer schnell mit CO2 Ampeln und mit Luftreinigern ausgestattet und realisieren seit März 2020 ein umfassendes Hygienekonzept. Das KPI ist bisher `löwenstark` durch die Krise gegangen“, so Lehmann weiter. Die Auszeichnung der Schule mit dem Zertifikat „Digitale Schule“ zeigt, dass das Kurpfalz Internat seine Hausaufgaben für die Zukunft gemacht hat.

Die vierte Generation steht schon in den Startlöchern

Das Kurpfalz Internat ist eine Schule, aber auch ein Familienunternehmen. Es liegt daher auf der Hand, frühzeitig über die Zukunft der Internatsschulen nachzudenken. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Mario Lehmann zufrieden. Seine Tochter Clara arbeitet bereits am Kurpfalz Internat, die Schwestern Annika und Marie werden in den kommenden Jahren folgen.

2022 wird der 60. Geburtstag gefeiert

Am Sonntag reisen 42 neue Schülerinnen und Schüler an und starten gemeinsam mit den „alten Hasen“ in das Schuljahr 2021/2022. Sie alle haben dann im Sommer 2022 die Chance, SchülerInnen aller 60 Jahrgänge seit 1961 bei einer großen Geburtstagsparty kennenzulernen.

Corona hat leider eine Feier im Jahr 2021 verhindert. Auf ein Fest verzichten wollen die Lehmanns aber nicht. Für Mario Lehmann wird dieser Tag des Wiedersehens ein besonderer sein. Er freut sich gemeinsam mit seinem Vater und den drei Töchtern auf die Feier: „Wir werden an diesem Tag natürlich auch an Erna Lehmann denken. Ihre mutige Entscheidung prägt bis heute unser Leben!“